Einige Anmerkung vorweg....

In Forenbeiträgen anderer Seiten, in Blogs und Gesprächen taucht immer wieder die Bemerkung auf: Steht aber nicht oder so nicht im Haevecker. Von der Aussage her ist das meistens auch richtig. Das heisst aber nur, dass der H. nicht richtig gelesen wurde, insbesondere nicht das Vorwort. Also keine Panik – der H. ist nicht komplett, kann er nicht sein, wie auch andere Veröffentlichungen, inklusive dieser, das nicht sein können. Irgendwie auch beruhigend, sichert es uns doch Spaß ohne Ende !

Wiking selbst hat keinerlei Archiv oder Katalogisierung geführt, Stückzahlen sind nur abzuschätzen. Was angekündigt war, muss nicht zwingend terminnah oder überhaupt erschienen sein. Viele Modelle unterlagen einer nahezu ständigen Veränderung, bedingt durch die Endbearbeitung per Hand und dem Perfektionismus von Peltzer. Die Änderungen wurden nicht dokumentiert. Es ist deshalb niemals ganz sicher auszuschliessen, ob nicht dies oder jenes Modell doch von Wiking ist, in Zusammenarbeit mit Pilot entstand usw. usw. Ein weites Feld …..Im Laufe der Zeit bekommt man ein Gefühl für die Materie, vorausgesetzt man befasst sich etwas mit den Abläufen der damaligen Zeit und den Auswirkungen auf einen mittelständischen Betrieb. Dann löst sich auch das Rätsel der Datierung – einer der Knackpunkte – halbwegs auf.

Schöne, seidenmatte Lacke, Farbtupferchen hier, goldene Geschützspitzen dort – das kann es alles nur geben, wenn das Material dazu vorhanden ist, Ruhe und Zeit gegeben sind. Also vor dem Krieg, ganz pauschal gesagt. Dann wurden die Materialien knapper, das Modellgewicht wurde z.T. reduziert, farbliche Spielereien, Masten und Flaggstöcke blieben auf der Strecke, die Qualität sank. Dann wurde wieder Lack aufgetrieben und es gab einige Farbpünktchen in der laufenden Serie. "Modellherstellung" spiegelt also den Ablauf der damaligen Zeit wieder. Direkt und unmittelbar.

Auf eine Chronologie der Firmengeschichte, der Massstabsentwicklung und Produktionsabläufe verzichte ich hier. Darüber gibt es hervorragende Bücher, die einen guten generellen Überblick geben, aber auch unterschiedliche Darstellungen und Angaben enthalten. Es besteht also durchaus noch Klärungsbedarf.

Hier sollen einige der oft auftauchenden Fragen angesprochen und, wenn möglich, geklärt werden.

Herstellungsverfahren

Vollguss
Mit vollständig ausgefüllter Unterseite. Unebenheiten oder nicht komplett ausgegossene Böden kommen vor.

Schieferguss
Die Bezeichnung für ein frühes Verfahren, bei dem die Beschaffenheit des Metalls sehr grobporig und uneben aussieht, "schieferig" genannt.

Rundhohlguss
Von der Form her wie der Schieferguss, aber glatter. Zwischen beiden Verfahren gibt es Mischformen und Varianten. Es ist manchmal nicht ganz einfach, die Gussart einwandfrei zu bestimmen.

Formhohlguss
Glatte und ausgearbeitete Innenseite der Form. Ab ca. 1935 bei grösseren Modellen das Standardverfahren, mit gegossener Bodenprägung.

Gussverfahren und Bodenprägung sind nicht so unwichtig, wie eventuell erscheinen mag. Durch sie ist manchmal erst möglich eine genauere zeitliche Zuordnung zu treffen. Durch die relativ unorganisierte Lizenzproduktion und die Vermarktung von Restbeständen aus der Vor- oder Kriegsproduktion, versehen mit der Nachkriegsbemalung, auch von wiking selbst, kann es ohne diese Bestimmung schon schwierig werden.

Kunststoff
Ab 1938 erfolgte der Einsatz des von Wiking bei Dynamit-Nobel in Köln entwickelten Kunststoffes, nicht zu verwechseln mit dem schon vorher bekannten und verwendeten Bakelits. Der Unterschied ist manchmal schwer auszumachen, begründet durch die Lichteinwirkung. Kurze Erläuterungen zu den Werkstoffen Cellon und Bakelit unter "Reinigung".

Geschütztürme
Im Laufe der Modellproduktion wurden die Türme in Form und Material sehr oft verändert. Anfangs wurden sie "genagelt", das heisst es wurden Nieten von oben durch eine Öffnung im Turm geführt und mit dem Schiffskörper "ver-nagelt". Eine andere Variante war, die Türme auf mitgegossene Kegel aufzusetzen. Ab 1936 erhielten die Türme eigene Drehzapfen aus Metall, später dann Kunststoff. Die Ausführung der Türme ist also auch ein Bestandteil der Modellbestimmung.

Kennung
Anfangs erfolgte die Kennung, also der Name des Schiifes oder seine taktische Bezeichnung, wie die anderen farblichen Details per Hand, kurz "hds" genannt. Ab 1938 gab es dann den Übergang zum Nassschiebebild, kurz Abziehbild, noch kürzer AZB. Beginnend bei den Kriegsschiffen mit schwarzen, ab ca. 1939 mit goldenen, bei den zivilen Schiffen mit weissen AZBs. Eine einheitliche Regelung gab es wohl nicht, denn es tauchen auch uterschiedliche Formen in einer Serie auf. Auch die Schriftart differierte von nur Versalien zu gemischter Schreibweise. In der "Neuen Serie" 1959/60 sind sie in Form von Schildern ausgeführt.

Farben
Ein schwieriges Kapitel, nicht wirklich in den Griff zu bekommen. Entscheidend ist wohl, das alle Modelle per Hand gefertigt und bemalt wurden, wobei es keine Detailvorgaben gab. Ergebnis ist eine Vielzahl von Varianten und Kuriositäten.
Generell lässt sich sagen, dass der schöne glänzende Lack zusammen mit vielen farblichen Details wie goldenen Rohrspitzen, bunten Winschen, Luken etc. auf eine frühe Ausführung hindeuten. Durch die Kriegseinwirkungen und der damit verbundenen Materialnot sank dann auch die Qualität der Bemalung schlechthin.
Ich nehme davon Abdstand, genauere Farbangaben zu machen. Das "Grau" der Kriegsschiffe z. B. kann nur ein Obergriff sein, der innerhalb einer Serie durchaus zwischen hellem und dunklem grau schwanken kann. Zudem hat jeder Mensch ein anderes Farbempfinden. Was für den einen "sandgrau" ist wird für den anderen schon "hellbraun" sein. Die einzig vernünftige Methode wäre eine Farbskala wie beim "Gelben Katalog" der Auto-Fraktion. Gibt es aber nicht.

Die so beliebten und gefragten Tarnversionen entstanden 1943/45. Zu unterscheiden sind die Ausführung in "wolkig" und "eckig". Erstere ist handgemalt, die andere per Spritzpistole und Schablone aufgebracht. Einige wenige Ausnahmen sind bekannt. Vorgaben für die Muster der Tarnung gab es nicht. Die überwiegende Zahl der Modelle wurde zweifarbig ausgeführt, es gibt aber auch einige wenige mehrfarbige Versionen. In diesem Bereich wird von Sammlern sehr viel "Privatarbeit" geleistet.

Bodenkennzeichnung
Anfangs wurden die Modelle mit einem Bodenstempel versehen, der natürlich im Laufe der Zeit oft abgenutzt ist. Die unseelige Verwendung des doppelseitigen Klebebandes erledigt dann meistens den Rest. Einige Modelle lassen sich nur anhand des Bodenstempels unterscheiden. Auch eingekratzte Bezeichnungen kommen vor.
Ab dem Formhohlguss dann mitgegossene Bezeichnungen als Standard. Bei Nachfolgeserien erschienen dann auch gedruckte Einklebeetiketten.

Gewicht
Die von mir geamchten Gewichtsangaben sind und können nur Näherungswerte sein. Alle Modelle sind, wie schon erwähnt, von Hand bearbeitet, was zwangsläufig zu Abweichungen führt. Ausnahmen sind die sog. Leichtlegierungen. Sie wurden aus Materialmangel bewusst herbeigeführt. Die Unterschiede sind dann auch relevant und entsprechend dokumentiert.

Flaggen
Bis ca. 1939 bestückte Wiking die Flaggstöcke mit Papierflaggen. Die Segelschiffe erhielten ihr Schmuckstück am Besanmast, die Kutter am Segel selbst. Nur die Bismarck bekam auch 1942 noch eine Flagge am Mast. Die Originalflaggen sind recht selten, weil sie eben klein sind, aus dünnem Papier gemacht, schnell verloren gingen oder aus den bekannten historischen Gründen vernichtet wurden.
Bei den ausländischen Schiffen gab es meiner Kenntnis nach nur den "Red Ensign" bei den englischen Kriegsschiffen. Alle anderen Ausstattungen dürften privater Natur sein. Details hier.

Flaggstock
Mit einem Schmunzeln beobachte ich immer wieder die zum Teil abenteuerlichen Bezeichnung des Flaggstock. Das geht über "Flaggenstock" bis "Flakstock". Dabei heisst das Ding einfach nur Flaggstock.
Die gebräuchlichste Art ist der besondere "Stock" am Heck eines Schiffes, an dem die Flagge, nicht Fahne, befestigt wird. Es gibt auch einen Flaggstock am Bug des Schiffes, der einen besonderen Zustand des Schiffes signalisiert. Ist kein Flaggstock vorhanden, wird üblicherweise die Gaffel des Besanmastes benutzt. Aber eben nicht, wenn ein separater Flaggstock vorhanden ist. Bei privat nachgerüsteten Modellen ist das recht häufig zu sehen.

Die Entstehung des Flaggstocks ist eine langfristige Entwicklung. Schon sehr früh wurden Schiffe mit allen möglichen Wimpeln, Tüchern, Flaggen und Fahnen geschmückt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus dann ein Erkennungs- und taktisches Signalmittel. Im 12. / 13. Jahrhundert wurden Regelungen getroffen, die Schiffe zur Bekanngabe ihrer Nationalität zwingen sollten. Regelungen nützen bekanntlich nichts, wenn man sie nicht durchsetzt. Also wurden Strafen festgelegt, lateinisch "flagitieren", übersetzt soviel wie "dringend anmahnen, fordern". Die empfindliche Strafe hatte der Kapitän zu zahlen. Daraus entstand dann der Begriff Flaggstock. Die bei Wikipedia erzählte Geschichte des keltischen Sprachursprungs ist ziemlich theoretisch, um es einmal so auszudrücken. Alle anderen greifbaren Quellen gehen von der hier in Kurzform genannten Erklärung aus. Meines Wissens wurde ein vergleichbarer Begriff erstmals schriftlich in den Unterlagen des Römers Belisar, ca. 500 n. Chr., bei seinem Feldzug gegen die Perser erwähnt, an dem immerhin rund 600 Schiffe beteiligt gewesen sein sollen.

Bugspriet
Auch so ein Begriff, aus dem die herrlichsten Sachen werden - Bugsprietmast, Bugsprietrah, Bugsprietverlängerung usw. Bugspriet ist der Teil des Schiffes, der nach vorn über den Rumpf hinausragt, aber fest mit dem Schiffskörper verbunden ist. Der bei Wiking oft zu findende Draht ist der Klüverbaum, an dem zusätzliche Segel befestigt werden können. Bei Bedarf lässt sich der Klüverbaum auch einziehen, z. B. bei rauher See.



 

 

 

 

 

 

 

Vollguss

Schieferguss

Rundhohlguss

Formhohlguss

Genagelter Turm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bugspriet / Klüverbaum an der Rickmer-Rickmers